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Tango - Familie


 Tango Argentino  

Eleganz und Erotik aus einer anderen Kultur 

Der Tango ist zwischen 1865 und 1895 entstanden, ziemlich zeitgleich in Buenos Aires und Montevideo - auf beiden Seiten des Rio de la Plata. In seiner Anfangszeit war er ein einfacher und volksnaher Tanz, der im wesentlichen in den Vorstädten getanzt wurde. Die bürgerliche Oberschicht lehnte ihn anfangs ab und begeisterte sich erst für ihn, als der Tango in Europa Erfolg hatte. In den 40er Jahren, als Europa im Krieg lag und Argentinien und Uruguay durch Export von Leder, Fleisch und Wolle zu Reichtum und Überfluss gelangt war, blühten die Tanzpaläste in Montevideo und Buenos Aires. In Buenos Aires gab es zu dieser Zeit rund 600 Orchester und zahlreiche Ballhäuser, in denen die Leute allabendlich tanzten. In dieser Zeit wurden die Tanzschritte so komplex und interessant, dass sich die Grundlagen des Tango der 40er Jahre bis heute durchgesetzt haben. Es ist eine elegante, raffinierte und fast perfekte Tangoform.

Der 40er Jahre Tango hat sich aus drei Einflussrichtungen entwickelt: Einmal vom Bühnentanz, weil die Bühnentänzer das tanzende Volk beeinflussten, andererseits von den Lehrern, die das Schrittmaterial durchdachten und die Tanztechnik dazu entwickelten, und drittens von den Tänzern auf der Tanzpiste, die alles das fallen ließen, was schlecht zu tanzen war. Diese Entwicklung dauerte bis zu den 70er Jahren, als der Tango bei den jungen Leuten kein Interesse mehr fand. Erst 1982, als die in politischem Asyl lebenden Argentinier und Uruguayer den Tango in Europa wiederbelebten, bekam er einen neuen Entwicklungsschub.

Der Tango kennt keinen Stillstand, denn er ist eine Volkskunst, in der es keine Prüfungen, Abzeichen oder Standardisierungen gibt. Jeder entwickelt etwas Neues und trägt dazu bei, dass der Tango lebendig bleibt. Ob jemand eine Autorität ist oder nicht, wird von keiner Institution bestimmt, sondern vielmehr von der großen Gemeinschaft der Tänzer als "Maestro" anerkannt.   

(© Juan D. Lange, Berlin und Uruguay) 

 

 

Vorläufer der Tangoarten...   

Die Vorläuferin des Tango, der Milonga, im schnellen 4/4 oder 2/4 Takt verwendet die gleichen Grundelemente - aber eigentlich ist sie ein ganz anderer Tanz. Schon ihr Ausdruck unterscheidet sich vom oft schwermütigen Tango: Die Milonga ist fröhlich und rustikal. Sie ist ein erdiger Tanz, in dem der Rhythmus die Tanzenden vorantreibt. In der Milonga treten die afrikanischen Einflüsse deutlich hervor, die über den Candombe in die Tänze der Länder am Rio de la Plata eingegangen sind.

Übrigens: Der Begriff Milonga bezeichnet neben dem Tanz auch einen Ort, an dem Tango getanzt wird, bzw. die Tanzveranstaltung selbst. In Buenos Aires nennen sich die traditionellen Tangotänzer Milongueros. Aber Vorsicht: Eine Milonguita ist ein leichtes Mädchen!

 

 

Als jüngste der drei Tangoformen ist der "Vals criollo" oder "Vals cruzado" auch die europäischste unter ihnen. Eine Legende sagt, er sei daraus entstanden, dass die Einwanderer aus Europa ihre Walzer immer schneller spielten. Bald zu schnell, um darauf im Walzerschritt zu drehen, so dass man anfing, Tangoschritte zur Musik zu tanzen.
Der Vals verwendet die tänzerischen Grundelemente des Tango, aber er wird wie der Wiener Walzer im 3/4 oder 6/8 Takt getanzt, wobei seine ganz besondere Rhythmusstruktur auf unterschiedliche Arten interpretiert werden kann. Drehungen am Platz oder durch den Raum spielen eine große Rolle und alles Abgehackte oder abrupte Stops werden vermieden: Im Vals gleitet das Paar schwebend übers Parkett - ein romantischer und eleganter Tanz.
 

Übrigens: Das "criollo" (kreolisch) bezieht sich auf die meist spanisch-stämmigen Einheimischen, deren Vorfahren im späten 19. Jahrhundert nach Argentinien kamen und sich dort mit der indianischen Bevölkerung vermischten. "Cruzado" bedeutet nicht nur "gekreuzt", sondern auch "verrückt". Und: Valsecitos (Walzerchen) sind üblicherweise sehr schnelle Valses.

 


Eine kurze Tango-Geschichte

Der Begriff Tango bezeichnet gleichzeitig einen Musikstil, eine Liedform und einen Tanz. Musikalisch gesehen vereint er die Einflüsse der kreolischen Volkslieder, der ländlichen Milonga, der kubanischen Habanera, des aus Spanien stammenden Tango Andaluz, des Candombe der schwarzen Bevölkerung und der Volksmusik der europäischen Einwanderer in sich. So entstand am Ende des 19. Jahrhunderts am Rio de la Plata in Uruguay und Argentinien der Tango als Musikform.

Wer genau den ersten Tango getanzt hat, weiß man nicht, aber mit großer Sicherheit waren es einfache Leute aus den Vorstädten. Dort lebten unzählige Menschen, oft arme Männer ohne Familien: Einwanderer, landlose Gauchos, Italiener und Deutsche... Ein akuter Frauenmangel herrschte und die Prostitution blühte. Der Tango wurde in den Höfen, Straßen und auch in den Bordellen getanzt, zum Üben erst einmal unter den Männern. Schließlich galt es, eine der wenigen Frauen zu erobern, und der Tango war ein wirksames Mittel, "ihr" zu imponieren. Manch ein Mann jedoch blieb alleine oder wurde wieder verlassen - wegen eines wohlhabenderen Rivalen oder eines besseren Tänzers. Viele alte Tangos erzählen von der Einsamkeit dieser Männer und viele Tango-Klischees (Der Tango als "Bordellreptil") stammen aus diesen Anfangsjahren.

Bei den Reichen und Gebildeten war der Tango zu Beginn verpönt. Erst als der Tango um 1912 in Paris boomte, wurde er nach und nach von der argentinischen Oberschicht angenommen. Und in den dreißiger Jahren war er dann endgültig gesellschaftsfähig.

Während er sich in Europa in den folgenden Jahren zu einem völlig anderen Tanz entwickelte, blieb er in Argentinien seinen Ursprüngen nahe und kam Anfang der 80er Jahre im Gefolge der großen Tangoshows erneut als Argentinischer Tango nach Europa, nun neben dem Standardtanz existierend.

 

 

Der Tango - ein getanzter Dialog

Der Tango entsteht in jedem Moment aufs Neue. Diese Improvisation wird durch eine deutliche Verteilung der Rollen im Tanz möglich. Ein Partner führt und der andere folgt. Üblicherweise sind dies Mann und Frau. Mit Dominanz und Unterwerfung hat das jedoch nichts zu tun. Beide Partner tragen gleichermaßen zum Gelingen des Tanzgenusses bei. Der Mann ist dabei rücksichtsvoll und versucht, seiner Partnerin ein angenehmes Erlebnis zu bereiten. Er interpretiert die Musik kreativ, gibt also Art und Tempo der Bewegung vor, wartet dann aber darauf, dass die Partnerin sie auf ihre Weise ausführt. Man könnte also sagen: Er schlägt eine Bewegung vor. Die Partnerin erspürt aufmerksam seine Führungsimpulse und folgt aktiv. Sie setzt seinen Vorschlag in eigene Bewegung um und unterstreicht diese mit Verzierungen - dies jedoch immer mit Rücksicht auf den Tanzfluss. Die Übermittlung der subtilen Signale verläuft dabei über den Oberkörper. Ein ständiger Dialog, bei dem Gesten und Sprache überflüssig sind. Im Idealfall ein perfekter Genuß, bei dem die folgende Person ihre Augen schließt, um nur noch die Musik und die Umarmung zu fühlen.
 

 Quelle: Melina Sedó & Detlef Engel, Landau 

 

 

Englisches Form- und Feingefühl oder Internationaler Tango, wie wir ihn alle kennen... 

Der sogenannte englische Tanzstil begann Anfang des 20. Jahrhunderts mehr und mehr den allgemeinen Tanzstil zu formen und die von unteren Bevölkerungsschichten beeinflusste Zügellosigkeit und Offenheit des Tanzes wieder in andere Bahnen zu lenken und einzudämmen. Dem englischen Gefühl für Anstand waren einige wilde und unsittliche Auswüchse der neuen Art des Tanzens ein Dorn im Auge. So wurden die gängigen Tänze 1920 auf einer Tanzlehrer-Konferenz einer eingehenden Begutachtung unterzogen. Ziel des Treffens war es, wieder gute Formen in den Tanzsälen einzuführen. Auf einer weiteren Konferenz 1929 wurden der Slowfox, der Quickstep, der langsame Walzer, der Blues und der Tango zu den Standardtänzen erklärt und in ihrer Taktzahl sowie in ihrem Schrittinventar genau festgelegt.

Dem englischen Geschmack entsprechend wurden die große gleitende Vorwärtsbewegungen, sowie eine akkurate und aufrechte Haltung betont, die der Inbegriff des englischen Stils im Gesellschaftstanz wurde. Gleichzeitig wurden Bewegungen und Figuren, bei denen Verzögerungen eintraten oder die Beine in die Luft geworfen wurden, aus dem Schrittrepertoire ausgeschlossen. Entgegen der allgemeinen Entwicklung wurden hier die aktive Führungsrolle des Mannes und die passive Anpassungsrolle der Frau noch einmal offiziell festgeschrieben, der fortschreitenden Emanzipation der Frau also zumindest auf der Tanzfläche Einhalt geboten. Nicht nur unsere Tango-Pflanze wurde hier mit anderen Arten gekreuzt, sorgfältig zurechtgeschnitten und an einen Stock gebunden. Da steht sie heute noch.


 

In 80 Jahren um die Welt... 

Eine seltsame Pflanze ist dieser Tango. Einst auf kargen Boden und in ärmliche Verhältnisse geworfen, krallten sich ihre Wurzelfädchen fest ein in ihre Umgebung und entwickelten ein weitverzweigtes Wurzelwerk, das tief ins Innere der Städte am Río de la Plata hineinreichte. Wenig Wasser und südliches Klima ließen sie zu einem widerstands- fähigen und wildwüchsigen Organismus heranreifen. So behauptete sie sich zunächst nur im Schatten der großen Gesellschaft. Mit der Zeit passte sie sich an, kreuzte sich und sandte ihren Samen aus in andere Kontinente. Dort begann der gleiche Prozess von vorn. Auch wenn die neuen Pflänzchen nur noch entfernt an das ursprüngliche Gewächs in Buenos Aires und Montevideo erinnerten: der Name blieb.


 

Tango im Moulin Rouge 

Die Wege, auf denen der Tango um die Jahrhundertwende nach Paris gelangte, sind umstritten, wobei sich die verschiedenen Theorien weniger ausschließen müssen als ergänzen können. Der Verkehr zwischen den Welthäfen und der Mädchenhandel waren gewissermaßen durchlässige Stellen für neue kulturelle Einflüsse, was den Tango in Paris bekannt gemacht haben könnte. Als sicher gilt, dass das Ehepaar Gobbi 1907 gemeinsam mit Villoldo für die Aufnahme von Platten, was in Argentinien zu jener Zeit noch nicht möglich war, nach Paris kam. Während Villoldo nach Buenos Aires zurückkehrte, blieb das Ehepaar Gobbi bis 1914 in Paris und widmete sich dort dem Tango. Alfredo Gobbi kümmerte sich um die Veröffentlichung vieler Tangos und gründete ein eigenes Label. Sie, Flora Rodríguez, war bereits in Buenos Aires und Montevideo eine bekannte Sängerin gewesen und sang nun auf den Bühnen von Paris Interpretationen und Kompositionen ihres Mannes.

Der Erfolg der Gobbis sprach sich herum, und weitere Tangomusiker kamen nach Paris. Die Immigranten von einst, die in Buenos Aires, wo der Tango immer noch geächtet, unterdrückt oder sogar verboten war, nie wirklichen Erfolg gehabt hatten, witterten ihre Chance, von ihrer Leidenschaft für Musik und Tanz leben zu können.

War der Tango in Buenos Aires harten Repressionen ausgesetzt, die jedoch auch den Kern seiner inneren Natur bildeten, so galt er in Paris schnell als schick, extravagant und exotisch. Gerade die Unanständigkeit gab ihm etwas prickelnd Reizvolles. Bereits um 1910 verfiel Paris dem Tangofieber. Es folgte die Eröffnung von Akademien und Tanzschulen, die von Argentiniern bzw. Rückwanderern geleitet wurden. Dort bildete sich schnell eine neue Art des Tanzens heraus – eben eine pariserische Art, den Tango zu tanzen. Die Tango-Welle in Paris, der mode- und meinungsbildenden Weltstadt, blieb in anderen Teilen Europas nicht unbemerkt.

Auch in Buenos Aires fand der Tango erst jetzt, auf dem Umweg über Paris, soziale Anerkennung. Anders als in Buenos Aires, wo die Bordelle und Varietés im Schmutz der Vorstadt angesiedelt waren, frönten die Pariser ähnlichen Gelüsten und Bedürfnissen, jedoch in sozial anerkannter Form, in den Varietés wie dem Moulin Rouge und den Folies Bergères, in denen die Frauen ihre Beine zeigen und der Großherzog zusehen durfte. Dies waren Orte, an denen auch der Tango gedeihen konnte, in der Verbindung des Obszönen und der Lust mit der Etikette und dem Kultivierten. Während die Frau sich vom Korsett befreite, wurde der Tango zur Mode und zum Kunstwerk stilisiert. Natürlich verlor er an dieser Stelle das Revolutionäre und Sehnsüchtige, aus dem er einst entstand. Was an Anrüchigkeit blieb, gefror zur Pose. Tanzen um der Wirkung Willen, nicht aus Not oder Protest.

In seiner Hochzeit, etwa zwei Jahre vor Ausbruch des Krieges, gipfelte der Tango-Kult in Tango-Tees, in farben- frohen, schmalgeschnittenen und hochgeschlitzten Kleidern, ja sogar der Tango-Farbe, einem blassen Orange-Rot – der Tango wurde zum „le tango". Hier, vertreten durch die Pariser Oberschicht, konnte er sich sogar dem kaiserlichen und päpstlichen Verbot von 1913 entziehen und widersetzen. Der Tanz setzte sich dabei immer mehr als die Musik durch, welche durch ihre unverständliche Sprache und ihre schwermütigen Texte als Anhängsel mitgeschleppt oder auch durch neue französische Lieder ersetzt und verdrängt wurde. Ein großes Stück Tango-Geschichte verschwand aus dem Bewusstsein. Der Tango als inszeniertes Stück von Macho-Look und streng gelernten Schritten, von in Szene gesetzten Ohrfeigen und Fußtritten und der Unterwerfung und Koketterie der Frau bekam hier einen unverkennbar theatralischen Stil. Dieser blieb am europäischen Tango haften, welcher in seinen festgelegten Schritten das tänzerische Grundprinzip des argentinischen Tangos, die Improvisation, aufgab.


 

Deutsche Offiziere tanzen Tango 

Das Deutschland von 1900 war von industriellem und technischem Wachstum geprägt und nahm in diesen Dingen eine international bedeutsame Stellung ein. Kulturell wurde es vor allem durch Paris beeinflusst. Der Kaiser verbot seinen Offizieren, in Uniform Tango zu tanzen, dass sie ihn tanzten, konnte er ihnen nicht verbieten. So gab es hier, anders als im international geprägten Paris, zwei deutlich unterschiedliche Strömungen. 

Die Zeit Wilhelms II., ein Anachronismus, den Deutschland sich leistete, war geprägt von einer forcierten Rückkehr zu den Traditionen, zum höfischen Stil, die auch vor der Lächerlichkeit nicht zurückschreckte. In der Geschichte des Tanzes erleben wir hier eine Rückkehr zu den alten höfischen Tänzen, dem Menuett, der Française, der Quadrille, die, längst vergessen, mühsam von denen neu gelernt werden mussten, denen an einer Einladung bei Hofe gelegen war. Es fand eine Rückkehr zum Formvollendeten statt, zum weniger Freien, dem keine Gesamtkultur mehr entsprach.

Der Tanz wurde hier als Mittel zum Zweck benutzt in der Annahme, die alten Umgangsformen neu etablieren zu können, ein vergeblicher Versuch, die Veränderungen, die die Republik mit sich brachte, aufhalten zu können. Dem entsprach eine starke Trennung einerseits zwischen höfischer Politik, in der Wilhelm II. versuchte, sich mit altem Charisma und Stil zu umgeben, und der Politik des Reichstags, welchem die Verwaltung des Finanzbudgets oblag andererseits. Nach der Entlassung Bismarcks verwischten sich die Aufgaben des Reichstages und des Kaisers, der in der Unabhängigkeit des Reichstags schon immer einen Affront gegen seine Person sah. Im Gegensatz zu Frankreich bestand in Deutschland ein eklatanter Widerspruch zwischen der rapiden ökonomischen Entwicklung und dem Verharren in imperialistischer Politik und fehlender Liberalisierung. 

Parallel zur neuen Traditionsbewusstheit gab es aber auch eine andere kosmopolitische Bewegung, ähnlich der in Paris. Es entstand ein neuer, eleganter und internationaler Lebensstil, vor allem in den Badeorten, in denen die neuen Schiebetänze, der Quickstep und der Tango getanzt wurden, welche die Mazurka und den Wiener Walzer mehr und mehr ablösten. Das Reisen und das mondäne Vergnügen waren nur für die finanziell Gutgestellten erschwinglich, für diese aber in unausgelesen bunter Mischung – eine Welt der Schicken und Geschmacklosen, der Verrückten und der Hochstapler, der Intelligenz und der Dummheit, für die der Tanz den allabendlichen Mittelpunkt der Zerstreuung und Kommunikation bildete. Der Tanzabend und der Salon als Innovationszentrum, immer mehr internationalisiert, wurden Ausdruck einer neuen Offenheit. Hier fand auch der Tango seinen Raum, obwohl es den Deutschen an wirklichem Verständnis für den Tanz der argentinischen Vorstädte und des schlechten Lebens fehlte.

Die Attraktion, die der Tango dennoch hatte, kann nur mittelbar in seiner argentinischen Geschichte liegen. Sie ging einher mit anderen Zeitströmungen, die uns sein neues Leben verständlich machen. Scheinbar die Frau unterdrückend und das Bild des Machismo und der käuflichen oder unterwürfigen Frau immer wieder in Posen nachstellend, war der Tango dennoch einer der wenigen Gesellschafts- und Paartänze, in denen die Frau andere Schritte als der Mann ausführte, sogar Elemente selbständig gestalten konnte. Zudem ging der Tanz einher mit einer Revolution in der Damenmode, kannte Schritte, in denen die Beine und Strümpfe der Frau sichtbar wurden, möglich gemacht durch die neuen Schlitz-Kleider, als Demonstration neuer Freiheit und Sichtbarkeit des weiblichen Körpers. Wurde der Mann auf neue Weise von der Frau verführt, nahm er sie um so offensichtlicher an die Kandare.

Der Machismo, der in dieser westlichen Kultur keine Geschichte hatte, wurde bemüht, um mit den Veränderungen der Geschlechterverhältnisse durch die zunehmende Emanzipation der Frau umzugehen, wurde die dunkle Geschichte des Tangos herangezogen, um einen neuen Lebensstil auszudrücken und neue Umgangsformen in der Beziehung von Mann und Frau zu finden. Spätestens Mitte der 30er Jahre verdrängten andere Moden den Tango. Die exotische und gezüchtete, ja fast künstliche Pflanze verschwand allmählich. Der Krieg markiert das Scheitern einer Illusion, der „golden twenties", aber auch das Scheitern einer anderen Illusion, des Tangos.

Quelle: Ein Aufsatz von Gerrit Schüler, Tanz- und Ausdruckstherapeutin, Bremen

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