Walzer
Der Wiener Walzer
Walzer (von walzen =
sich drehen, schleifen), seit dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts im
bayerisch-österreichischen Raum entstandener Tanz im Dreivierteltakt,
Einzelpaartanz, bei dem die Paare eine doppelte Drehbewegung (um die eigene
Achse und um die Tanzfläche herum) ausführen. Vorläufer des Walzers sind Ländler,
Deutscher Tanz und Langaus, wobei vor allem der sehr rasche Langaus auf heftige
Kritik stieß, die auf den Walzer übertragen wurde: Er sei unmoralisch, zu
rasch und führe zu Überhitzung und Krankheit, ja zum frühen Tod der Tänzer.
Erste Belege für die Bezeichnung "Walzer" finden sich um 1750 im
Wiener Raum. 1786 wurde der erste Walzer auf einer Wiener Bühne getanzt (in
"Una cosa rara" von V. Martin y Soler) und vom Publikum begeistert
aufgenommen.
Die Bezeichnung "Wiener Walzer" tritt erstmals 1811 in
Braunschweig auf; weitere Walzertypen sind der Französische Walzer (3-teilig
mit steigendem Tempo) und der English Waltz, ein langsamer Walzer, der sich ab
1920 wachsender Beliebtheit erfreute. Im Gegensatz zu anderen Walzerformen (zum
Beispiel langsamer Walzer) wird der Wiener Walzer mit einer Linksdrehung
getanzt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Walzer zur repräsentativen
Tanzmusik: Waren die ersten Walzer (L. van Beethoven, F. Schubert) noch sehr
kurz und einfach gehalten, entwickelten J. Lanner und vor allem die Vertreter
der Strauß-Dynastie, Johann Strauß Vater, Johann Strauß Sohn, Josef Strauß
und Eduard Strauß, den Walzer zu einer Kunstform mit Einleitung und Coda.
Der
Walzer wurde länger, rhythmisch und harmonisch komplexer und in der
Instrumentierung aufwendiger als zu Beginn des Jahrhunderts. Er wurde nicht nur
ein wichtiger Bestandteil der Wiener Operette, sondern fand auch in die
Kunstmusik Eingang (unter anderem R. Strauss, H. Berlioz, G. Mahler, C. Gounod).
Wenn auch die Bedeutung des Walzers im 20. Jahrhundert zugunsten neuer Tänze
zurückging, gilt er immer noch als repräsentativster Gesellschaftstanz
(Opernballeröffnung).
Strauß - Denkmal, Wien
Quelle: www.aeiou.at - den umfassendenden Österreich - Alben
Der Langsame Walzer
In England setzte sich um 1910 u.a. bei jungen Leuten ein Tanz namens "Boston" gegen den traditionellen Walzer durch. Es war ein etwas langsamer Wiener Walzer mit einem Verzögerungsmoment. Später kamen nach und nach noch Foxtrottschritte dazu. Im Dezember 1922 wurde der Langsame Walzer oder "English Waltz", wie er auch genannt wird, erstmals bei einer Weltmeisterschaft getanzt. Heute ist er für alle Turniertänzer der trainingsintensivste Tanz, obwohl die Schrittkombinationen, im Vergleich zu den anderen Standardtänzen, verhältnismäßig einfach sind.
Die Schwierigkeiten liegen in der kontrollierten Schwungerzeugung und -umsetzung im Paar, die diesem Tanz die erforderliche Weichheit verleiht. Er ist der harmonischste der Standardtänze. Die Musik ist langsam schwingend, weich, pendelartig mit Betonung auf dem ersten Taktschlag, es wird dabei jeweils zur Seite am schwungvollsten getanzt. Das Tempo beträgt 30 Takte pro Minute und ist somit halb so schnell wie der Wiener Walzer.
Quelle: The London Dance Academy














