Rumba / Mambo / ChaChaCha
Die Rumba ist ein erotischer Werbetanz aus Kuba, welcher aus afrokubanischen Wurzeln wie Chica und Yuca stammt und später zur Sammelbezeichnung ähnlicher Rhythmen wie z.B. Son, Bolero, Guaracha, Guagira, Naningo, Mambo, Beguine und Habanera wurde. Das Wort Rumba bedeutete ursprünglich soviel wie Fest oder Tanz, Tanzkapellen wurden mit dem Namen "rumboso orquestra" bezeichnet .
Wenige
Tänze sind so eng mit großen Namen verbunden wie die Rumba. Hier ist es der
Franzose Pierre Jean Philippe Zurcher Margolie, besser bekannt unter dem Künstlernamen
Pierre. Pierre wurde in Toulon geboren und studierte Ingenieurwesen in Zürich.
Nach einem Sportunfall bei welchem er ein Auge verlor wechselte er nach Paris
und verbrachte dort seine gesamte Freizeit in den Tanzsälen, wo Kubaner,
Argentinier, Brasilianer und Spanier ihre nationalen Tänze zu authentischer
Musik von Originalkapellen tanzten. Mitte der 20er ging Pierre nach London und
gründete dort ein Tanzstudio am Picadilly. Hier unterrichtete er die neuen
lateinamerikanischen Tänze (Argentino, Paso Doble, später auch eine Vorform
des Samba und die Rumba). In den frühen 30er Jahren machte er mit Doris Lavelle
eine Schülerin zu seiner Partnerin, von welcher später noch die Rede sein
wird. In den späten 20ern spielte nun ein kubanischer Bandleader namens Alcedes
Castellanos in Paris eine neue Musik und unterrichtete gleich noch den dazu
passenden Tanz, die Rumba.
Pierre ging sofort nach Paris um den neuen Tanz zu lernen und sein Repertoire an lateinamerikanischen Tänzen auszubauen. Der aus dem Danzon entnommene Grundschritt (unsere heutige Square Rumba) erschien ihm jedoch etwas limitiert und bot wenig Entwicklungsmöglichkeiten. Der erste Rumba Schlager erschien 1930 (The Peanut Vendor), die erste Rumba Choreografie tauchte 1931 (in der September Ausgabe von "Der Tanz", geschrieben von Lucy Antoine) auf. Im gleichen Monat erschien ein Klavierauszug einer Rumba mit dem Titel "Ruth, tanz heut mit mir kubanisch" von Will Meisel als Klavierauszug zusammen mit einer choreografischen Bildserie zum Tanz von Walter Carlos. Die Grundbewegung wird hier als Chasse-Schritt (z.B. 1. RF seitwärts., 2. LF schließt, 3. RF großen Schritt vorw.) bezeichnet. Im Januar des Jahres 1932 erschien eine weitere Choreografie von R. Sommer und ein Aufsatz in der Zeitschrift "Der Tanz". Die Rumba wurde als sechster Standardtanz in das Turnierprogramm aufgenommen, 1934 aber wieder verdrängt.
Im Jahr 1932 wurde der Tanz vom Ehepaar Chapouls im Cafe de Paris in London gezeigt und im Jahr 1933 spielte Don Azpiazu und seine Band die Rumba in London. Bekannt war auch die Band von Xavier Cugat die im Coconut Grove in Los Angeles und später im Waldorf Astoria in New York spielte. 1935 spielten George Raft als Tänzer und Carol Lombard als seine Partnerin in einer Hollywoodproduktion namens "Rumba". Im Jahre 1936 formulierte die Imperial Society in England Standardschritte für die Rumba. Während alle Welt nun Rumba tanzte machte Hitler im Deutschland des zweiten Weltkrieges der "artfremden" Rumba den Garaus.
Eine
Weiterentwicklung kam erst nach dem Krieg, als Pierre mit seiner Partnerin im
Jahre 1947 nach Havanna reiste. Dort war der Son in den mittleren Bevölkerungsschichten
und der Danzon in den höheren Klassen populär. Pierre arbeitete mit Pepe und
Suzy Riviera, den damaligen kubanischen Meistern. Frau Lavelle schreibt, dass
die kubanischen Damen nicht glücklich mit Pierres ursprünglichem Timing waren.
In ihr Tagebuch machte Sie den Eintrag, dass der erste Kommentar von Suzy
Riviera beim Tanz mit Pierre der Ausspruch "Du bist nicht im Takt"
war. Pierre wurde also mit dem gleichen Problem konfrontiert, mit dem auch heute
noch viele Tanzschüler kämpfen müssen, nämlich der Umstellung auf den 4-1
Rhythmus.
Frau Lavelle beschreibt sehr lebendig, dass in Kuba fast überall die
Rumba Musik zu hören war und dass bereits kleine Kinder ihre Hüften im 4-1
Rhythmus bewegten. Die meisten der heutigen Rumba-Figuren wurden auf Kuba von
Pierre aufgeschrieben und benannt. Pierre selbst beschreibt den Tanz als
"Cuban Bolero", Son oder "Baile de Salon". Den kubanischen
Grundschritt beschreibt er mit der Bezeichnung "Authentic cuban System of
Rumba" oder später "Cuban System of Ballroom Rumba". In seiner
Beschreibung ist der Taktschlag 1 noch mit der Anweisung "Hesitate" (zögern)
ausgezeichnet, der Grundschritt wird in eine Vorwärtsbewegung und eine Rückwärtsbewegung
aufgeteilt. Direkt nach seiner ersten Kuba-Reise brachte Pierre den Tanz mit
nach England und begann im Jahre 1948 diese neue Rumbavariante zu unterrichten.
Das neue Timing wurde jedoch nicht überall gerne gesehen. Pierre soll hierzu
gesagt haben: "Es wird 5 Jahre dauern, bis sie es annehmen" - es
dauerte in Wirklichkeit 8 Jahre. Im Jahre 1951 und den folgenden Jahren reiste
Pierre zusammen mit Doris Lavelle und James Arnell wiederum nach Kuba um seine
Technik zu verfeinern. Hier nahm er unter anderem Unterricht bei Pepe Llorenz
und seiner Frau Aida (nach welcher eine auch heute noch gerne getanzte Figur
benannt ist !).
Die Reisen nach Kuba fanden jedoch ein jähes Ende nachdem Fidel Castro die Macht übernahm. Pierre musste später feststellen, dass viele seiner Lehrer und Freunde nach den USA emigriert waren. Dort wurde die amerikanische Version der Rumba als Mambo gespielt. Kubanische Musiker hatten während des Weltkrieges Betonungen des Swing (auf 2 und 4 statt auf 1 und 3) in die Rumba integriert und diesen zu einem deutlich schnelleren Tanz entwickelt. Basis des Mambo wie der kubanischen Rumba war der Bolero, ein eher langsamer Tanz im 4/4 Takt. Hieraus leitet sich auch die Bezeichnung "Mambo Bolero" für den kubanischen Grundschritt ab. Der Mambo wurde übrigens im Jahre 1952 durch Silvana Mangano mit einem gleichnamigen Film in Europa bekannt und kurzfristig zum Modetanz, später jedoch durch den ChaCha verdrängt.
Auf dem europäischen Kontinent hielt man noch lange an der alten Square-Rumba fest. Hier wurde in den Jahren 1956-1958 und 1961-1963 erbitterte Auseinandersetzungen, genannt Rumba-Kriege, über die korrekte Ausführungsform geführt . Proponenten der Square-Rumba waren hauptsächlich Lucien David aus Lyon und Paul Krebs. Ein internationales Komitee entschied zunächst beide Formen zuzulassen. Nach dem Erscheinen von Lairds "Technique of Latin Dancing" im Jahre 1961 führten die englischen Tanzlehrer jedoch die kubanische Rumba als alleinige Technik für Turniertänze ein. Der Kontinent folgte hier erst im Jahre 1964. In sehr frühen Ausgaben schreibt Laird noch "Cuban Rumba" über das entsprechende Kapitel seiner Technik. Als Kuriosität am Rande sei noch erwähnt, dass die ersten Rumba-Turniere von den Herren noch im Frack ( getanzt wurden, später kam der Smoking, gute Fotos auch bei Garnier und erst spät wurde die heutige Lateinkleidung üblich.
Gute Beschreibungen für die kubanische Rumba gibt es von fast allen an der Entwicklung beteiligten Tänzern. Für die Ausbildung von Trainern ist in Deutschland die Technik von Laird vorgeschrieben.
Die
Square-Rumba wird heute noch in Tanzschulen unterrichtet und hat als sogen.
American-Rumba auch als Turniertanz in den USA überlebt, die kubanische Rumba
wird dort als International-Rumba bezeichnet. Der Mambo wurde glücklicherweise
ebenfalls in den USA bewahrt. Neubelebungen als Modetanz folgten mit dem Film
"Dirty Dancing" und im Jahre 1999 mit dem Sommerhit Mambo Nr. 5 von
Lou Bega. Die mittelamerikanische Version des Mambo, der Salsa, erfreut sich
hierzulande einer ständig wachsenden Fangemeinde und breitet sich wie der Tango
Argentino als Subkultur unabhängig vom Turniertanz oder den Tanzschulen aus.
Interessanterweise erlebt auch der Son wieder eine weltweite musikalische
Renaissance mit der Reaktivierung von alten kubanischen Son Musikern zur Gruppe
"Buenavista Social Club" und einer dokumentarischen Filmproduktion.
Einzelne dieser Musiker wie z.B. Compay Segundo spielten bereits in der Zeit als
Pierre in Kuba Rumba lernte.
Quelle: Universität
Marburg
Der
Mambo
Ist
einer der ersten der Lateinamerikanischen Tänze. Er ist der Vorläufer des Cha-Cha-
Quelle:
Carsten Weber GmbH, Frankfurt / Main
Cha Cha Cha
Vom Figurenmaterial her gesehen wurden sehr viele Elemente aus anderen Tänzen übernommen, wobei die Rumba anfänglich Hauptpatin war (Fan, Hockey Stick, Hand to Hand, Alemana etc.). Später gesellten sich Figuren aus Beat und Disco hinzu.
Da der Cha Cha Cha ein fröhlich ausgelassener Tanz ist, der anfänglich keine großen Ansprüche an die Tänzer stellt (eine große Erleichterung für viele war die Tatsache, dass im Gegensatz zur Rumba im Cha Cha Cha auf 1 ein Schritt getanzt wird), wurde er Mitte der 50er-Jahre über Nordamerika kommend schnell zum beliebtesten Modetanz. Kein Wunder also, dass er 1961 ins internationale Turnierprogramm aufgenommen wurde und bis heute weltweit populär geblieben ist.
Bis in die 70er-Jahre wurde der Cha Cha Cha in heute nicht mehr denkbarer Art und Weise interpretiert, Zitat H. Günther und H. Schäfer: "Auch der Cha Cha Cha muss als erotisches Spiel getanzt werden. Aber im Gegensatz zur feurigen Rumba ist der Cha Cha Cha nur ein amüsanter, koketter Flirt. Man bindet sich nicht, man gefällt sich, man ist entzückt voneinander, man spielt, man brilliert - alles ohne Ernst, ohne Passion, ohne Erregung. Keck, fröhlich, perlend wie Sekt ist der Cha Cha Cha. Diese übermütige Natur des neuen Tanzes kommt schon in der Musik zum Ausdruck. Daher hat auch der Tanz eine Fülle von brillanten Figuren. Man darf die Beine in die Höhe werfen, man klatscht in die Hände, hüpft und stößt den Partner leicht mit dem Finger, man spielt Pinguin mit den Händen und Hüften, trennt sich und droht mit den Fingern und Augen. Aber ebenso rasch wie zur Trennung kommt es wieder zur Vereinigung. Nichts ist von Dauer, alles ist flüchtig und offen. Der Cha Cha Cha ist ein immer wechselndes, flüssiges Spiel mit Fliegen und Haschen, mit Kreisen und Fliehen. Beine, Arme, Hände und Finger, der ganze Körper, sogar die Augen sind in ständiger Bewegung. So müssen auch die Figuren getanzt werden."














